1. Informationen zur Studienplatzklage

Es ist für alle Beteiligten sehr unbefriedigend, dass immer mehr Abiturienten nicht das Studienfach ihrer Wahl belegen können. Sowohl die Stiftung Hochschulstart als auch die einzelnen Hochschulen und Fachhochschulen lehnen Semester für Semester zahlreiche Bewerber ab.

Begründet werden diese Ablehnungen mit dem Hinweis darauf, dass die Bewerber nur eine hintere Rangstelle in der Bewerberliste belegen konnten. Der Zugang zum Studium wird damit durch den sogenannten "numerus clausus", also durch die Abiturnote, beschränkt. Selbstverständlich werden durch die Versagung des Wunschstudiums Lebensträume zerstört und hochmotivierte, potentielle Akademiker an ihrer Ausbildung gehindert.

Jedes Semester werden in Deutschland tausende junger Menschen daran gehindert, das Studium ihrer Wahl zu beginnen. Besonders in den sog. „harten“ Studienfächern wie Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Psychologie, und Pharmazie wird ein Zugang zum Studium immer schwieriger. In jüngerer Zeit werden über die Hälfte der Studienplätze nach den Auswahlkriterien der einzelnen Hochschulen vergeben.

Dabei vergeben die Hochschulen fast alle Studienplätze nach der Abiturnote. Diese Entwicklung führt dazu, dass die Abiturnote immer wichtiger wird. Gleichzeitig erhöht sich der Druck auf die Bewerber mit schlechter Abiturnote, da die Wartezeit als Kriterium abgewertet wird. Im Moment liegt die Wartezeit für einen Studienplatz in Medizin – der noch immer bundesweit zentral von einer Stelle vergeben wird - bei fünfeinhalb bis sechs Jahren. Die erforderliche Wartezeit wird mit jedem Semester höher. Der Druck steigt aller-dings nicht nur in den Studiengängen die zentral vergeben werden,- sondern auch bei solchen die nicht zentral vergeben werden. Die Universitäten erhalten immer mehr Unabhängigkeit bei der Auswahl ihrer Bewerber. Diese neue Autonomie wird dazu benutzt, das Aufnahmeverfahren immer weiter zu verschärfen und so die Ablehnungszahlen in die Höhe zu treiben. Kein Bewerber kann und will mehrere Jahre auf seinen Studienplatz warten. Auch gelingt es immer weniger Bewerbern, die harten Aufnahmeverfahren erfolgreich zu durchlaufen. Einziger Ausweg aus diesem Dilemma ist eine gerichtliche Geltendmachung des Anspruchs auf den gewünschten Studienplatz.

weiterlesen >> weniger anzeigen <<

2. Die Bewerbung

Ihr erster Schritt zum gewünschten Studienfach ist die zielgerichtete Bewerbung. Dies kann als der „reguläre“ Weg zum Studienplatz bezeichnet werden. Leider ist dieser Weg nicht immer erfolgreich.

Die Bewerbung für einen Studienplatz im Bereich Medizin, Pharmazie, Psychologie, Tier- und Zahnmedizin muss über das Internetportal „hochschulstart.de“ der Stiftung für Hochschulzulassung (Stiftung), die Nachfolgeeinrichtung der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund, erfolgen. Die Bewerbung für alle sonstigen Studienfächer erfolgt direkt über die jeweilige Universität oder die Fachhochschule.

Die Fristen der Bewerbung müssen unbedingt eingehalten werden. Die Stiftung und die Universitäten und Fachhochschule informieren auf ihren Homepages über die je-weils geltenden Fristen. Dort können Sie sich verlässlich informieren. Zum Winter-semester beginnen sämtliche Studiengänge; zum Sommersemester wesentlich we-niger. Schon in diesem frühen Stadium kann für Sie die Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt hilfreich sein, um die richtigen Universitäten ins Visier zu nehmen und von Beginn an die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Meistens beginnen die richtigen Probleme dann mit dem ablehnenden Bescheid der Universität oder der Stiftung, in dem mitgeteilt wird, dass Sie bei der Vergabe der Studienplätze nicht berücksichtigt worden sind.

Die Gründe für eine Ablehnung können vielfältig sein. Es ist z.B. möglich, dass die Abiturnote nicht ausreicht, um den NC zu „knacken“. Der NC ist die Zulassungsbeschränkung bezogen auf die Durchschnittsnote des Abiturs und der Wartesemester. Momentan haben die Studienfächer Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie und Psychologie einen NC.

Wenn die Auswahl direkt durch die Universität getroffen wird, ist es auch möglich, dass ein prüfungsähnliches Auswahlverfahren bestanden werden muss. Sind Sie dabei „durchgefallen“, kann dies der Grund für die Ablehnung des Studienplatzes sein.

weiterlesen >> weniger anzeigen <<

3. Die Klage

Die eigentliche „Studienplatzklage“ ist genau genommen keine Klage, sondern ein Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht, mit dem der von Ihnen gewünschte Studienplatz beantragt wird. Sie wird immer dann notwendig, wenn Ihr ursprünglicher Antrag auf einen Studienplatz abgelehnt worden ist.

Allerdings setzt dieses Eilverfahren einen weiteren Antrag bei der Universität voraus. Es muss noch ein Antrag auf eine außerkapazitäre Zulassung an der Hochschule Ihrer Wahl gestellt werden. Dieser Antrag ist extrem wichtig. Spätestens in diesem Stadium sollte ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden.

Für diesen Antrag auf außerkapazitäre Zulassung bestehen sog. Ausschlussfristen, die von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Nach Ablauf dieser Fristen ist eine Antragsstellung nicht mehr möglich.

Damit ist dann auch ein Eilverfahren vor dem Verwaltungsgericht unmöglich. Es ist daher sehr wichtig, die jeweiligen Fristen zu kennen und rechtzeitig die gewünschten Universitäten auszuwählen.

Wurden alle Formalien und Fristen beachtet, kann in dem Verfahren vor dem Verwaltungsgericht geltend gemacht werden, dass die Universität genügend Studienplätze (Kapazitäten) hat, um auch Ihnen einen Platz zur Verfügung zu stellen. Um Erfolg in diesen Verfahren zu haben, muss in einer komplizierten Rechnung ermittelt werden, ob die Universität bei der Angabe der möglichen Studienplätze Fehler gemacht hat. Rechtsgrundlage für dieses Verfahren ist das Grundrecht auf freie Berufswahl aus Art. 12 GG.

Auch für diesen Eilantrag vor Gericht bestehen Ausschlussfristen. Etwas vereinfacht gesagt, muss der Eilantrag bis spätestens zum Vorlesungsbeginn gestellt werden. Eine verfrühte Antragsstellung kann unnötiges Anwaltshonorar und unnötige Gerichtskosten verursachen. Eine zu knappe Antragsstellung kann dagegen die Erfolgsaussichten gefährden. Der optimale Zeitpunkt ist eine taktische Entscheidung, bei der Ihnen ein erfahrener Rechtsanwalt helfen kann.

weiterlesen >> weniger anzeigen <<

4. Ergebnis und Verfahren

Wenn das Vorgehen erfolgreich war, spricht das Gericht Ihnen den begehrten Studienplatz zu. Wenn es deutlich zu viele Bewerber gab, kann das Gericht ein Losverfahren anordnen. Dann werden die neuen Plätze unter allen erfolgreichen „Klägern“ verlost. Einige Gerichte wenden das Verfahren der Hochschulen erneut an. Dann werden die neuen Plätze nach den Kriterien der Hochschule verteilt. Wenn das Verfahren nicht erfolgreich war, werden gar keine weiteren Studienplätze zugesprochen.

Bei den vergebenen Studienplätzen handelt es sich nur um vorläufige Studienplätze, weil sie eben nur in einem Eilverfahren vergeben wurden. Mit einem solchen können Sie zwar erst mal studieren, es schließt sich aber ein Hauptsacheverfahren an, in dem Sie theoretisch den gewonnenen Studienplatz wieder verlieren können. Dies passiert aber äußerst selten, die Hauptsache geht fast immer wie das Eilverfahren aus.

Am Ende des Verfahrens kann auch ein Vergleichsangebot der Universität stehen. Dann meldet sich die Universität bei Ihrem Rechtsanwalt und bietet die Vergabe eines Studienplatzes an, wenn nur der Antrag bei Gericht zurückgenommen wird. Dieses Ergebnis ist sehr erfreulich, da dann ein endgültiger Studienplatz zugeteilt wird.

Die Dauer der Verfahren sind sehr unterschiedlich, da die Gerichte nicht einheitlich schnell arbeiten. Ein Medizin-Verfahren kann bis zu einem Jahr dauern. Bei den sonstigen Studienfächern wird das Gericht schneller, meist schon im Semester der Antragsstellung, entscheiden.

Ein ganz anderes Verfahren ist notwendig, wenn Sie an einer Aufnahmeprüfung gescheitert sind. Dann geht es inhaltlich um Prüfungsrecht und nicht um die klassische Argumentation mit der Kapazität der Universität. Aber auch in diesem Fall kann Ihnen ein erfahrener Rechtsanwalt zu Ihrem Studienplatz verhelfen.

weiterlesen >> weniger anzeigen <<

5. Erfolgsaussichten

Die Erfolgsaussichten sind je nach gewünschtem Studiengang ganz unterschiedlich. Grundsätzlich gilt, dass die Erfolgsaussichten umso höher sind, desto weniger „Kläger“ das gewählte Studienfach an der gewünschten Hochschule studieren wollen.

In den Studiengängen Humanmedizin, Zahnmedizin und Tiermedizin gibt es in jedem Semester und an jeder Hochschule in Deutschland eine Vielzahl von Klägern. Völlig „normal“ sind Zahlen von 200 bis 300 Bewerbern pro Hochschule, die eine Studienplatzklage anstrengen. Für die Studienfächer Pharmazie und Psychologie gilt dies nur eingeschränkt, hier sind die Bewerberzahlen geringer und damit auch die Erfolgsaussichten höher. Außerdem kann die Zahl der Kläger hier von Hochschule zu Hochschule stark variieren.

Bei den sonstigen Studienfächern sind die Erfolgsaussichten deutlich besser, schwanken aber von Studienort zu Studienort.

Der Erfolg hängt sehr stark von den richtigen taktischen Entscheidungen ab.

Die erste wichtige Entscheidung bezieht sich auf die Frage, an welchen Hochschulen ein Studienplatz erkämpft werden soll. Entscheidend ist auch die Wahl der Zeitpunkte, an denen die verschiedenen Anträge gestellt werden. Hiervon hängt maßgeblich die Vergleichsbereitschaft der Hochschule ab.

Bei all diesen Fragen kann Ihnen ein erfahrener Rechtsanwalt zur Seite stehen und Ihre Aussichten und Chancen optimieren.

weiterlesen >> weniger anzeigen <<

Kontaktformular